Text

max wencelides

x

 

 

 

Text von Constanze Metzel

 

 

I HAVE COME TO EAT THE UNIVERSE, MAX WENCELIDES 15.04.2021 – 15.05.2021

 

Das Sammeln und Sampeln von Medienmaterial ist integraler Bestandteil von Max Wencelides Kunstpraxis
und entspringt nach eigenem Bekunden einer inneren Notwendigkeit. – NOTWENDIG IST DAS EINFACHE WAHRE ABSCHREIBEN
DER WELT, um DAS GANZE DER GEGENWART ZUM SPRECHEN ZU BRINGEN. – RAINALD GOETZ Das große Bilderfressen fängt jetzt erst an.
Vision in this technological feast becomes unregulated gluttony: [the] eye fucks the world to make techno-monsters. – Donna Haraway
EINTAUCHEN in unermessliche Bildgründe, tosende Massen zyklischer Überschwemmungen, die alle Staudäm-
me brechen. Dann kommt die Schwerkraft, keine Chance sich dem Sog zu entziehen EINFACH FALLEN LASSEN
Die Welt zappelt am Haken. AUF BEUTEJAGD – performative Rechercheprozesse ohne Anfang oder Ende legen
auf dekonstruktiven Trips durch die zirkulierenden Bilderwelten unserer Mediennetzwerke klebrige Fallen
aus, um Weltzustände aufzunehmen. ER HAT KEINE VISIONEN, ER LIEST NUR ZEITUNG...
Bildsüchtige Kolumnen einer sich im stumpfen Hochglanz entgrenzenden Druckwalze, die auf ihren Streifzü-
gen alles ausschlachten und verschlingen, was ihnen in die Quere kommt, bis es die Werktore sprengt und
ans Eingemachte geht... Das endlose RUNDSCHLEIFEN DER TEIGLINGE und ZERLEGEN VON BILDPOLITIKEN in Serie
DIE ORDNUNG DER EKSTASE.
Ein nie versiegendes Repertoire setzt verheißungsvoll raschelnde Blätterwalder in Szene und ein subjektives
Recycling in Gang – ALLES geht mich an, ALLES – analoge Aneignungen digitaler Bilder, Hard- oder Software,
Symptome und Signale der Gegenwart, Folien von Kunst und popkulturelle Referenzen, Zeitungsseiten und
Stilzitate, private Fotos, eigene Arbeiten und fremde, Skizzen, Entwürfe, Illustrationen und Grafiken, Flyer,
Comics, Ephemera und Cover, Fragmente des Realen und andere Fundstücke aus dem öffentlichen Raum....
Schlummerndes Kulturkapital, das keine Klassen kennt, nur KOMPLEXE ORDNUNGEN, die dem CHAOS VON
UNVERNUNFT EIN FILTERSYSTEM DER RETROSPEKTIVEN BESONNENHEIT entgegensetzen, das WIDER GRENZPOLIZEILI-
CHE BEFANGENHEIT all diese Datensätze, all diese medialen Dispositive erfasst und als GEWALTIGES SAMMEL-,
SORTIER- UND DEUTUNGSUNTERNEHMEN visuelle Motive und Formeln, GESTEN UND GEBÄRDEN kartographiert.
Der Plakate Schrei aus den Zementverließen Kündet uns ein Märchenland, das uns entschwand,
Wasserfälle rollen aus der Wolkenkratzerwand Nebelwälder wallen auf vor unsren Füßen.
Hinter abblätternden Fassaden öffnen sich SEITENWEISE FENSTER ZUR WELT UND ANDEREN REALITÄTEN. Unwirkliche Land-
schaften türmen sich auf. Kunstkulissen und REFLEXIONS-BAUSTELLEN – MEDIENARCHÄOLGISCHE Spuren komplexer ästheti-
scher, diskursiver und stilistischer Narrative, Schichten und Zeichen fackeln einen visuellen Flächenbrand ab.
Zwischen flirrenden Asphaltwüsten und sattgrünen Vegetationen wachsen abenteuerliche Stahlkonstruktio-
nen und endlose Treppenstufen in den Himmel. Lautsprechertürme erstrahlen im Abendrot, knisternde
Großstadtsinfonien wecken matte Plattenbauten aus bleiernen Betonträumen. Leuchtende Pastelle legen
sich über verlassene Industriebrachen und verwandeln rauchende Schornsteine in blühende Ruinen, die Sil-
berstreifen am Horizont abzeichnen. Schimmernde Denkblasen platzen und lösen sich in futuristischen Pro-
jektionen auf. ER HAT SICH NICHT GEÄNDERT, ABER DIE WELT HAT SICH AN SEINE OBSESSIONEN ANGEPASST.
Die Fensterfront gibt den Blick frei auf Pflanzenstudien und Wolkenformationen, die einladende Schatten
von Bäumen und aufblitzende Lichtblicke in einer Sonnenfinsternis beschreiben. Stillleben von Urwuchs und
Kunststoff zeigen Cut-ups von kulturellem Erbe und technischem Fortschritt. Illustrative Tropen auf spekulati-
ven Reiserouten durch eine von visuellen Fluten bestimmte Wirklichkeit. FRISCH TAPEZIERTES BILDERBUCHKINO
Feat. RAINALD GOETZ ABY WARBURG Richard Huelsenbeck
Analoge Reaktionen auf Digitale Kreisläufe Von samtenen Faltenwürfen gerahmte Säulenhallenstrukturen umspielen luf-
tige Möbelmusik-Texturen, SCHLAGLICHTARTIGE UND SELEKTIVE ERKUNDUNGEN UND MARKIERUNGEN, die zwischen Bauhaus
und Ikea, Science Fiction und Mythen des Alltags schwanken. Blassblaue Küstenlinien und zartgelbe Tonspu-
ren breiten sich aus, folgen dem bunten Treiben analoger Formideale und entfesselter Farbmuster, deren
verstreute Splitter Wellen schlagen und im Bilderrausch schäumend über die Ufer treten, DANN WUCHERN SOFORT DIE
NEUEN ZEITUNGSMASSEN DARÜBER HINWEG, URWALDMÄßIG. Vor ausrangierten Plakatwänden fantasieren Straßenszenen und -
gesten vom Aufstand der Zeichen und Raves unter Palmen, taumelnde Nachtschwärmer angelockt von
Scheinwerfern, Werkstoffe und Tongeräte warten auf ihren Einsatz... ALWAYS ON DISPLAY Während monochrome
Klassiker und greller Cyberpunk über die Bildschirme flackern und die Welt langsam im Schein elektronischer
Medien erlischt, aktualisieren sich im Hintergrund die Rahmenbedingungen. WIE SCHAUTS AUS? / SUPER
WOLLEN WIR MAL REIN GEHEN? / UNBEDINGT
ZEICHEN– UND ZWISCHENRÄUMEN UND –ZEITEN In drei Akten DICHTE RAUMMODELLE Bild, Spur und Prozess. Konfliktlinien von
Collage, Skulptur und Zeichnung ÜBERTRAGUNG VON BEWEGUNGSMUSTERN, um den Raum mit Bildern, Ideen und Klängen
aktivieren. SEITE UM SEITE, STÜCK FÜR STÜCK, TON NACH TON Analogien zwischen Musik und bildender Kunst.
Er ist der Schaugestalter. Sein Platz ist im Mittelpunkt des Gerüstes an den Schalttafeln aller Energien.
Er dirigiert die Bewegungen, den Schall und das Licht.
SKULPTURALE POTENZIALE und KOMPOSITORISCHE PRINZIPIEN vermessen den Raum, bilden PLATEAUS, besetzen die architek-
tonischen Strukturen und werfen widerspenstige Medienreflexionen an die Wand, ästhetische und konzep-
tuelle Resonanzen, die ineinandergreifende und konkurrierende Rhythmus- und Perspektivwechsel orches-
trieren. IMAGINARY LANDSCAPES Zwischen Scheinarchitekturen, Collagen-Sets und Soundtracks, die hinter den
Kulissen konkrete Utopien vertonen. A RECORD OF ITS OWN COMING INTO BEING Ein künstlerisches Programm, das
in prozessierenden Bildern denkt und bildproduktiv handelt, dynamische, plastische Konzeptionen, die Spu-
ren von Bewegungen in sich tragen. ACTION DRAWING Formale Abstraktionen, räumliche Interventionen und ge-
dämpfte Synthesizerklänge füllen Leerstellen mit projektiven Episoden. SCHNITT Schaltkreise spulen Bewe-
gungsprotokolle vor und zurück, Arbeitsgesten werden im Loop zu symbolischen Produktionsschritten, um
Raumfolgen neu abzumischen, zu übertragen und zu verdichten. HIER UND DA KONTURVERLUSTE, die jedoch an kon-
struktiver Unschärfe gewinnen... Eine Silhouette, eine Bewegung im Raum, lässt die Welt wieder rein, die sich in einer neuen materialen Kon-
figuration manifestiert. Postminimalistische PASSAGENWERKE schichten fragmentarische Narrative zu szenischen
Assoziationen. WEIßE ZELLEN stapeln sich bis unter die Decke, serielle Präsenzen OHNE ENDE UND ALL OVER, rasend
schnell hochgezogene MONOTONE NEUBAUTEN, Stockwerke eines Wolkenkratzers, aber alles andere als PLATTITÜDEN,
gesampeltes Material, keine geglätteten Adaptionen, sondern formale Qualitäten scharf umrissener System-
träger, eine ZEITGESTALT DES ABSOLUTEN PRÄSENS als raumhohe Konstante, vielleicht blasse Arbeiterschließfächer, aber
bestimmt kein Elfenbeinturm, nein, NATÜRLICH, ICH WEIß / WAS DU MEINST – ein Monument für warenförmige Wegwerf-
produkte von werktätigen Massen – ABFALL FÜR ALLE.
DRAWING THINGS TOGETHER Überzeichnungen und Montagen heterogener Versatzstücke – spielerische Mashups
aus Registern, Codes und Genres, die individuelle und kollektive Spurensicherungen mit Anspielungen aus
Alltagsästhetik, Kunstkanon und Realpolitik konfrontieren.
HYPERIMAGES zwischen VISUELLEM ARCHIV, IMAGINÄREN MUSEUM und SOZIALEN GEDÄCHTNIS, vielschichtige Bildessays und
inszenierte Materialstudien, die subtile Sichtweisen erlauben und multiple Lesarten generieren – das Verfol-
gen neuer Assoziationen und das Aufzeichnen ihrer Gefüge, ihre Assemblagen. – Bruno Latour
Feat. RAINALD GOETZ ABY WARBURG Richard Huelsenbeck