Prof#39
max wencelides
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Die ersten Jahre der Professionalität #39, 2020

 

Text von Anja Lückenkemper

 

 

 

Ein Schwerpunkt von Maximilian Wencelides’ künstlerischem Interesse liegt auf Installationen, die er vom jeweiligen Ausstellungsraum ausgehend spezifisch entwickelt. Dabei hinterfragt er immer wieder den Kunstbetrieb oder versucht die Überhöhung von Kunst subversiv auszuheben, etwa indem er Zeichnungen zum Blättern im Raum präsentiert, anstatt sie klassischerweise hinter Glas an der Wand zu installieren. Umso verständlicher, dass sich seine künstlerische Praxis auch der Einordnung in mediale Schubladen oder fachlichen Richtungen entzieht. Ein Versuch sich den Arbeiten anzunähern kann also immer nur fragmentarisch bleiben. Wencelides erschließt sich kontinuierlich neue Medien, seine Ausstellungspraxis umfasst Musik und Performance, ebenso wie Malerei, Video, Collage oder ortsspezifische Rauminstallationen. Und er verwendet immer wieder Materialien, die vornehmlich außerhalb des Kunstkontexts zu finden sind, wie etwa Mülltüten, Planen oder Straßenplakate. Wencelides beschreibt diese Arbeitsweise als ein Ausprobieren und Ausschließen verschiedenster Medien oder Praktiken. Zeitgleich sucht und sammelt er, seien es Objekte oder Referenzen, Zeitungsartikel oder Filme. Seine Arbeiten entwickeln sich oftmals zum und aus dem jeweiligen Ausstellungskontext und mit einer besonderen Ortsspezifik. So beeinflussen architektonische Merkmale oder im Ausstellungsraum Vorhandenes seinen künstlerischen Versuch dem Raum eine andere Richtung zu geben. Durch diese Praxis verwandelt der Künstler die Umgebung des Ausstellungsraumes maßgeblich: Er sucht nach dessen Potentialen und verändert die architektonische Ordnung und Nutzung des Raums. Mit „wall“ installierte er beispielsweise eine 3,90m × 5,67m große Wand im Klassenzimmer der Akademie. Diese Wand rief nicht nur die Funktion von Stellwänden im Ausstellungsbetrieb auf, sondern strukturierte den Atelierraum an sich um und forderte die StudentInnen auf, sich neu zu diesem zu verhalten. Wencelides’ Arbeiten bieten einen breiten Interpretationsraum und sind zugleich schwer zu entschlüsseln. Denn wichtiger als einen bestimmten Inhalt zu vermitteln, sind dem Künstler die Bewegungen und Aktionen der BesucherInnen im Raum und was für ein Bild sie in diesem ergeben – etwa wenn sie sich im manipulierten Raum bewegen, oder durch über dimensionierte Skizzenbücher blättern. Das der Inhalt in diesem Zusammenhang eine sekundäre Bedeutung hat, zeigt sich beispielhaft an Skizzenbuch „12420182162019“: Wencelides hat die Seiten des Buchs, die aus gefundenen Postern bestehen, nach der Bearbeitung mit Skizzen, Zeichnungen und Notizen weiß übermalt. Anstatt eines Inhaltes ist er interessiert an der Haptik, an der Zugänglichkeit der Kunstwerke und dem Rhythmus des Blätterns durch die BesucherInnen, an deren Gesten.